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Über die Theorie der Tritttechnik

 

Keine der Körperwaffen ist so spektakulär wie die Beine!

 

In wilden Kämpfen der Karate und Kung Fu Filme immer wieder gern genommen. Doch auch keine der Körperwaffen ist so schwer zu erlernen wie Beintechniken. Diese Techniken sind durch die Einbeziehung der großen Beinmuskeln sehr kraftvoll und dadurch aber auch sehr konditionsfördernd. Die Länge der Beine ergibt auch eine große Reichweite. Falsch trainierte Beintechniken können nicht nur eine Schwächung der Wirksamkeit der Waffe, sondern auch eine hohe gesundheitliche Gefährdung für den Ausführenden bedeuten (hier besonders auch langzeitlich gesehen). Und das nicht nur in Bezug auf evtl. gegnerische Aktionen, sondern auch hinsichtlich der Belastung des eigenen Körpers bei der Ausführung (Bänder, Sehnen usw.). Selbst ein "2x3-Meter-Mann ", der auf Grund seiner körperlichen Voraussetzungen kein Problem mit Kraftentwicklung hat, sollte Technik trainieren, schon seiner Gesundheit zu Liebe.

 

 

Kenpo Fuß- und Beintechniken (Foot & Leg Techniques)

Arten

Möglichkeiten

Slicing

Fußballen/ Fußkante/ Fersensohle/ Fersenrücken/ Spann/ Hackenseite/ Knie

Whipping

Fußballen/ Fußkante/ Spann/ Fersensohle/ Fersenrücken/ Hackenseite/ Knie

Thrusting

Fußballen/ Fußkante/ Fersensohle/ Knie

Hooking

Fußballen/ Spann/ Fußkante/ Fersenrücken/ Knie

Roundhousing

Fußballen/ Fußkante/ Spann/ Knie

Hammering

Fußballen/ Fersenrücken

Spezielle

 

 

 

Ziele und Richtungen

 

Beintechniken kann man in allen möglich Höhen anwenden. Im Kenpo werden sie aber meist nur bis max. Bauchhöhe eingesetzt, da höhere Techniken mehr Zeit brauchen und die Standsicherheit ungünstiger machen. Wie sagen einige Kenpoisten so schön:

 

"Natürlich treten wir auch zum Kopf, nachdem wir uns diesen auf Arbeitshöhe herunter geholt haben."

 

Also kurz, alles was über dem Gürtel ist, ist Sache der Arme. Beintechniken sind effektiv für: Stoppkicks, Angriffe gegen Gelenke der gegnerischen Beine, zum Abwehren von Kicks und gegen einen am Boden liegenden Gegner. Als Ausführungsrichtungen unterscheidet man grob in:

 

 

Vorwärtskicks

Seitwärtskicks

Rückwärtskicks

·       für Anfänger am leichtesten zu erlernen, da sich die Ausführungsrichtung in Laufrichtung befindet

·       von Anfänger als erstes erlernt

·       da Muskelgruppen gebraucht werden, die im Alltag selten benutzt werden, höhere Anforderung an die Balance

·       anspruchsvoller Hüfteinsatz erfordert längere Vorbereitung zur korrekten Ausführung

·       anspruchsvollste Techniken

·       da der Körper den höchsten Grad der Beweglichkeit in vorderer Richtung besitzt, hohe Anforderungen an die Dehung von Bänder und Sehnen und das Koordinationsgefühl im speziellen

 

 

Lernphasen

 

Die verschiedenen Beintechniken erfordern eine Richtschnur, nach der man grundlegende Vor- Übungen , die für das Erlernen der Techniken Notwendig sind, aufbauen kann. Idealerweise unterteilt man das Erlernen einer Beintechnik in verschiedene Phasen, die alle separat/ als Blöcke zusammengefasst/ in Gesamtheit trainiert werden können :

 

 

Phase

Bemerkung

Ausgangsstellung

- Üben aus allen denkbaren Ausgangsstellungen möglich (auch Kniestand/ Sitzend/ Bodenlage)

Ansatzhaltung

- ist wichtig um Trittkraft, ohne Verlust von Zeit und Kraft, nach vorn zu bringen

Technikausführung

- spezifisch für jede Technik

Abstoppen/ Arretieren

- wichtig, um Schockwirkung zu erzielen und/oder die Gelenke zu schonen

Zurückziehen

- wichtig für die Erzeugung einer Schockwirkung

- das Bein vor gegnerischen Aktionen zu schützen,

- die nächste Technik auszuführen

- schnell wieder Standsicherheit zu erreichen

Absetzen

- richtiges, vorausschauendes Absetzen, um die nächste Aktion vorzubereiten

 

Als Beispiel:

Ausführung und Unterschiede zwischen Thrusting Front Kick und Snapping Front Kick

 

Im American Kenpo unterscheiden wir unter anderem zwischen zwei wichtigen Frontkicks, dem Thrusting- und dem Snap-Kick. Durch die Versportlichung des Karate, wird der Snapkick in einigen Stilen nicht mehr gelehrt. In der realistischen Selbstverteidigung ist er jedoch eine wichtige Waffe. Im folgenden versuchen wir einige Unterschiede aufzuzeigen:


gemeinsame Startphase, die Ferse wird Richtung Gesäß gezogen, ohne das der Körper hoch kommt (Standstabilisierung)

bis hier kann man noch alle anderen Beintechniken ausführen

 

Snapkick

Thrusting Front Kick




wenn der hochgezogene Fuß die Höhe des Knies vom Standbein erreicht, beginnt eine kreisförmige Schnappbewegung aus dem Kniegelenk nach oben (Vorteile des Hochziehens: schlechtere Sichtbarkeit des Kickansatzes für den Gegner, schlechtere Blockbarkeit durch Verkleinerung des Snapradius usw.)

 

das Knie wird  so weit wie möglich nach oben geführt, um eine möglichst gerade Stoßrichtung des Fußes nach vorn zu erreichen


Snapkick

Thrusting Front Kick


Trefferfläche kann Ballen oder Spann sein

ein Hüfteinsatz ist beim snapkick nicht nötig, da er die auftreffende Kraft nicht verstärkt (kann aber die Reichweite verlängern)

 


Dann erfolgt die Streckung des Beins nach vorn.

Im letzten Drittel sollte der Fuß möglichst 90° auf die Trefferfläche auftreffen.

 



Snapkick

Thrusting Front Kick


Trefferfläche kann Ballen oder Spann sein

ein Hüfteinsatz ist beim snapkick nicht nötig, da er die auftreffende Kraft nicht verstärkt (kann aber die Reichweite verlängern)

 

im letzten Drittel der Streckung erfolgt der Hüftschub nach vorn, um Körpermasse in die Technik zu geben (entgegenwirken der Rückstoßkraft)


Wichtig! Scharniergelenke dürfen bei der Ausführung von Beintechniken nicht bis zum "Anschlag" belastet werden. Abstoppen!

Nachdruck, Vervielfältigung und Verwendung nach vorheriger Nachfrage, schriftlicher Bestätigung und sichtbarer Nennung der Quelle: www.kenpo-berlin.de möglich.