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Wirksame Zielregionen im Kenpo

 

Im folgenden sollen ein paar ausgewählte Trefferregionen des American Kenpo vorgestellt werden, da die Anwendung von Nervenpunkten ein wichtiger Bestandteil des Systems American Kenpo ist.

 

Die Idee ist, als evtl. Schwächerer einen stärkeren Angreifer bezwingen zu können, bzw. gefährliche Situationen im Nahbereich unter Kontrolle zu bringen. Nicht nur wegen der Wirksamkeit ist es wichtig, Schläge in Ausführung und Treffgenauigkeit gewissenhaft zu trainieren, sondern auch wegen der hohen Verletzungsgefahr bei Fehlschlägen (da u.a. bei Strikes ohne Ziel, die volle eingesetzte Energie nicht auf einen Körper übertragen wird, sondern mit eigener Muskelkraft kompensiert werden muss).

 

Sehr interessante Seiten zum Thema "Erste Hilfe" im Bereich Dim Mak findet man bei Sensei Jörg Weisflog auf Dim-Mak.de.

 

In unserer Tabelle sind nur exemplarische Techniken, Punkte und Wirkungen im Oberkörperbereich dargestellt. Gezeigte Möglichkeiten sind nur eine Momentaufnahme einer ganzen Abwehr- und Check-Kette. Druckpunkte werden in den seltensten Fällen allein zur Bekämpfung eines Angreifers ausreichen. Auch wenn manche hoffen, mit Kenntnissen über Punkte, fehlendes Kampfkunstkönnen ausgleichen zu können.

 

Noch für die, die jetzt sagen: " Die springen ja auch nur auf den Zug der Nervenpunkte mit auf".......Erstens, ist der schon lange abgefahren, der Boom ist fast schon vorbei und Zweitens, sitzen wir  schon seit vielen Jahren mit im Triebwagen und müssen mit teuren Seminaren kein Geld verdienen, oder gelangweilte Schüler davon abhalten zu anderen Lehrern zu gehen. J

 

Im Kenpo steht nicht das Studium der genauen Punkte und deren Bezeichnung im Vordergrund. Das wäre eher etwas für den geneigten Vollzeitkampfkünstler und es tut auch nicht Not. Die Dichte der Punkte und ganze Muskeln sind hervorragend geeignet, einem Gegner das Weiterkämpfen, auch ohne präzise Fachkenntnis der Medizin, schwer zu machen.

 

Also, die Kenntnis über Trefferzonen- und Bereiche sind vollkommen ausreichend und stellen auch schon eine Herausforderung dar. Anders haben viele alte Kampfkünste auch nicht gearbeitet.

 


Im folgenden nun einige Beispiele aus dem Technikprogramm.

In unseren Manuals sind die anzusprechenden Punkte alle aufgeführt.

Kiefer/ Kinn

 

Abgesehen von den Vitalpunkten in diesem Bereich, ist besonders der bewegliche Unterkiefer sehr empfindlich gegen Gewalteinwirkung. Seitliche Treffer schieben den Kiefer zur Seite unter Beschädigung der Zähne und bewirken eine Überdehnung der Kiefergelenke. Alle Treffer zum Kopf können außerdem traumatische Verletzungen der Halswirbelsäule durch übermäßige Überstreckungs- (Hyperextension) und Rotationsbeanspruchungen mit sich bringen. Hier vorwiegend im Bereich knöcherner Strukturen, vorwiegend im Bereich von Bandscheiben, Bändern und Gelenkkapseln oder im Bereich von Knochen und Weichgeweben.

 


Hals


 

Im seitlichen Halsbereich kommen meist Vitalpunkte als Ziel in Betracht. Der Wichtigste ist hier der sinus caroticus (Magen 9). Im Halsbereich befinden sich so viele Punkte, dass man theoretisch blind schlagen könnte, ohne weitere Kenntnisse. Aber wie gesagt, nur theoretisch, denn....

 

Unwissende Stimulierung irgendwelcher Punkte in welcher Form auch immer, können schlimme Verletzungen erzeugen, oder sogar zum Tod führen. Das ist kein Werbegag!!! Also, Unerfahrene, Buchleser, Selbsternannte und Videokäufer, lasst die Finger von unqualifizierten Experimenten! (Der gute Mr. Dillman würde jetzt schreiben: Kauft meine Bücher und besucht meine Seminare!  ;-)

 

Im vorderen Bereich ist es meist die Verletzung des Kehlkopfes.  Der Kehlkopf ist ein kompliziertes Gebilde aus Knorpeln, Muskeln, Bändern und Schleimhäuten. Seine filigrane Struktur ermöglicht u.a. einen differenzierten Gebrauch für die Stimmgebung. Verletzungen können hier schon durch die schwächsten Techniken geschehen, also in diesem Bereich besondere Vorsicht! Schon leichte Schläge machen es schwer, es dem Richter zu erklären.

 


Oberarm

 

Schlagen des Oberarms auf Punkt  Herz 2  mit einem Chop bewirkt schnell die Paralysierung des Armes und Freiraum für weitere Aktionen. Im American Kenpo wird er oft von schräg vorn angesprochen. Diese Technik kann dann leicht weitergeführt werden (z.B.: mit Anwendung des Billardprinciples zu einem Outward Handsword zum Hals). 

 


Nase

 

Einer der wohl empfindlichsten Punkte ist Dumai 26. Dieser Punkt braucht zum ansprechen sehr wenig Kraft, desto mehr kommt es auf die genaue Ausführung der Technik an. Folgewirkungen auch hier für den Halswirbelsäulenbereich (siehe auch unter "Kiefer") beachten.

 


Rippen

 

Die seitlichen Rippen sind nicht durch eine Muskulatur geschützt, deswegen ein sehr gutes Ziel für Angriffe. Extremangriffe (Punch, Knee, Ellbow...)verursachen Frakturen, leichte  dagegen haben eher Vitalpunkte im Visier.

 

Da wären drei Punkte, die man sehr gut ansprechen kann: Gallenblase 25, Leber 13 und Milz 21. Techniken sind oft Middleknuckle Fist, Raking Techniques, Backknuckle und Handsword. Vitalpunktstimulationen haben meist das absacken des Beines auf der Angriffsseite zu Folge, was in Verbindung mit einer Armkontrolle gut zum Kontrollieren der gegnerischen Füße ist.

 


Magen

 

Obwohl der Unterbauchbereich durch Bauchmuskeln sehr gut geschützt werden kann, sind Angriffe in diese Richtung  nicht zu verachten. Dies besonders im Zusammenwirken mit "Vorbereitungstechniken" um die Spannung aus den Bauchmuskeln des Gegners zu bekommen. Angriffe in dieser Region können auf der zentralen Mittellinie oder auch daneben kommen. Sind die Bauchmuskeln nicht gut genug gespannt, können hier innere Organe verletzt werden. Die Lunge kann einen Schock bekommen, was kurzzeitig das Atmen unmöglich macht.

 


Solar Plexus

 

Viele Kampfkünstler gefragt, welche Technik sie zum Solar Plexus schlagen würden, nennen doch da tatsächlich den normalen Fauststoß. Dieser kann, bei anatomischer Betrachtung, meist nur die Rippen schädigen, Hämatome (blaue Flecken) bringen und zuviel unnötigen Krafteinsatz fordern.

Um hier halbwegs Wirksam zu sein, sind Techniken wie Middleknuckle Fist und diagonale Endstellung der Faust ratsam. Fingerstiche erfordern in diesem Bereich Hände wie ein Bär, man kann es getrost vergessen. Vitalpunkt wäre hier der Renmai 15. Dessen Folge ist meist ein nach vorn kommen des Oberkörpers, im Kenpo gut zu nutzen, um den Kopf weiter zu uns zu bringen für Folgetechniken.

 

Alle Angriffe, die oberhalb treffen  bewirken, dass der Oberkörper nach hinten geht. Alles was unterhalb trifft bringt ihn nach vorn.

 


Arm 2


 

Alle drei Bilder zeigen eine kleine Auswahl der Möglichkeiten des Ansprechens des 3-Erwärmer 11. Dieser Punkt kann geschlagen oder gedrückt (mittels Fingerknöchel oder Unterarm) werden. Je nach Anwendung (Schlagintensität/ Einsatz weiterer Waffen) kann es von einer kurzzeitigen Paralysierung des Armes bis hin zum Bruch des Gelenkes führen.

 


Hand

 

Besonders gut für die Befreiung von Umklammerungen eignet sich ein Knöchelschlag auf  den gegnerischen Handrücken. Dabei ist es nicht mal so wichtig einen bestimmten Punkt zu treffen, wichtiger ist die Ausführung der Technik. Wie in der Abb. zu sehen sollte man möglichst mit beiden Knöcheln und zugleich kräftig schlagen. Aber wiederum nicht so kräftig, als wenn man einen Bruchtest durchführen will. Wie wenig Kraft man eigentlich braucht, kann man in einem Training ganz schnell selber feststellen.

 


Nachdruck, Vervielfältigung und Verwendung nach vorheriger Nachfrage, schriftlicher Bestätigung und sichtbarer Nennung der Quelle: www.kenpo-berlin.de möglich.